Meilensteine und Tiefpunkte aus zehn Jahren Einsatz für pflanzliche Bio-Produkte und mehr Lebensmittelwertschätzung
Gründung 2016: Als wir am 6. Juni 2016 in Köln den Gewerbeschein in den Händen hielten, hätten wir nicht gedacht, dass wir einmal unser zehnjähriges Jubiläum feiern würden.


Zuvor arbeiteten wir im Vertrieb bei Tofutown. Als ein großer Deal mit einem Supermarkt platzte, standen plötzlich 120.000 pflanzliche Bio-Aufstriche ohne Absatzkanal da. Schnell war klar: Es musste eine Lösung her. Einige Monate später entstand Veggie Specials – Deutschlands erster Onlineshop gegen Lebensmittelverschwendung. Nach und nach kamen weitere Hersteller und Produkte hinzu. Doch trotz des Wachstums wurde deutlich, dass die verbliebene Zeit bis zum Mindesthaltbarkeitsdatum oft nicht ausreichte, um größere Mengen zu verkaufen.
Das MVD 2017: Auch hierfür wollten wir eine Lösung finden. So entstand die Idee, das Institut für Lebensmittelwertschätzung zu gründen und ein Mindestverzehrfähigkeitsdatum (MVD) zu entwickeln.

Gemeinsam mit einem führenden Labor untersuchten wir Produkte mikrobiologisch und sensorisch und überprüften sie regelmäßig. Ziel war es, die Verzehrfähigkeit über das Mindesthaltbarkeitsdatum hinaus zu garantieren. Neben dem MHD, das die beste Qualität zusichert, sollte sich ein zweites Datum etablieren, das die Verzehrfähigkeit bestätigt.
Allerdings zeigte sich schnell, dass die dafür notwendige Überwachung für Hersteller kaum finanzierbar war. Gleichzeitig entstanden andere, deutlich praktikablere Ansätze – etwa das „Oft länger gut“-Label von Too Good To Go, das für einen verantwortungsvollen Umgang mit Lebensmitteln sensibilisiert. Wir waren von Anfang an Fans und nutzen das Logo der Kampagne bis heute. Einige Jahre später stellten wir das Institut wieder ein.
Tofu Mama 2018: Ein weiteres Highlight war die Entwicklung unserer eigenen B-Waren-Marke gemeinsam mit Taifun Tofu. Selbst bei den besten Herstellern entstehen gelegentlich Produkte mit kleinen Schönheitsfehlern – beispielsweise Räuchertofu mit geringem Untergewicht. Für den klassischen Handel sind solche Produkte meist ungeeignet. Taifun gab uns die Möglichkeit, dafür eine eigene Marke zu entwickeln: Tofu Mama.
Seit 2018 vertreiben wir diese Produkte und sind ein wenig stolz darauf, dass das Konzept in der Jurybegründung des Deutschen Nachhaltigkeitspreises erwähnt wurde, als Taifun Tofu 2020 als nachhaltigstes kleines und mittleres Unternehmen Deutschlands ausgezeichnet wurde. In den folgenden Jahren kamen weitere Marken hinzu, beispielsweise „Saitan“ gemeinsam mit Topas.
„Zu gut für die Tonne!“ 2021 und der Schulgarten: Das Jahr 2021 begann mit Rückenwind. Im dritten Anlauf wurden wir vom Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft für unser Engagement gegen Lebensmittelverschwendung ausgezeichnet.
Zeitgleich startete unser kleines Ackerprojekt mit Kindern einer Grundschule vor den Toren Kölns. Auf ambitionierten 2.500 Quadratmetern pflanzten wir mit Unterstützung der Pflanzentauschbörse des Kölner Ernährungsrats über 500 Setzlinge und vieles mehr. Nach den Sommerferien standen wir jedoch bis zur Hüfte im Beikraut und merkten schnell, dass wir Unterstützung brauchten. Diese fanden wir beim Acker e. V. Im Jahr 2024 zog das Projekt schließlich auf den neuen Schulhof um.

Bohnen Koop und Ackerbohnentofu: Gemeinsam mit Slow Food Deutschland und dem Ernährungsrat Köln starteten wir die Bohnen Koop. Mit einem Legupedia – einer Art Wikipedia für Leguminosen – wollten wir eine Plattform für Produktideen rund um Hülsenfrüchte schaffen.


Leider mussten wir das Projekt aus Zeitgründen einstellen, denn in der zweiten Jahreshälfte 2021 standen wir vor einer deutlich größeren Herausforderung.
Lagerbrand 2021: Im zweiten Halbjahr traf uns ein schwerer Rückschlag: Die Lagerhalle neben unserer brannte, und nahezu alle eingelagerten Lebensmittel mussten entsorgt werden.

Während gesperrte Ware und zahlreiche Gutachter unsere Halle belegten, improvisierten wir mit einem Kühlcontainer. Finanziell überstanden wir das Jahr nur knapp – vor allem dank unserer treuen Kundinnen und Kunden, die uns trotz des stark eingeschränkten Angebots die Treue hielten. Das Jahr 2022 war geprägt von Aufräumarbeiten und Wiederaufbau. Für neue Projekte blieb kaum Zeit.
Der Podcast 2023: 2023 konnten wir endlich wieder nach vorne blicken und unseren Podcast „Gutes tun & drüber sprechen“ starten. Nach zwei Folgen war allerdings Schluss. Die Aufnahmen machten großen Spaß, doch Schnitt und Nachbearbeitung erwiesen sich als deutlich zeitaufwendiger als gedacht.

Verbände 2024/2025: In den folgenden Jahren engagierten wir uns verstärkt politisch und arbeiteten gemeinsam mit vielen engagierten Menschen im Bundesverband Nachhaltige Wirtschaft e. V., im Bündnis Lebensmittelrettung und im Bundesverband Naturkost Naturwaren.

Zehn Jahre später – 2026 In unserem Jubiläumsjahr staunen wir darüber, wie schnell die Zeit vergangen ist. Wir sind unglaublich dankbar für die Unterstützung unserer Partnerunternehmen, die uns all die Jahre begleitet haben und es ermöglichen, weiterhin Lebensmittel zu retten – solange es nötig ist. Besonders freuen wir uns über rund fünf Millionen gerettete Produkte (wer das genau gezählt hat, wissen wir bis heute nicht) und über die vielen großartigen Kundinnen und Kunden, die unserer kleinen Unternehmung immer wieder mit Geduld und Nachsicht begegnen. Wir sind eben kein Amazon.
Deshalb möchten wir einfach Danke sagen: Danke fürs Dabeisein. Und ein besonderes Dankeschön an alle, die tatsächlich bis hierher gelesen haben.
Für die nächsten zehn Jahre wünschen wir uns viele neue Ideen, spannende Projekte und weiterhin den Mut, unbequem zu sein, wenn es nötig ist – und achtsam, wo es möglich ist.
Euer Veggie Specials Team.



